Ein Bild mit zwei haltenden Händen

Warum braucht es ein
"Kompetenz-zentrum Kinderwunsch"?

Stellenwert und Herausforderungen im Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch und Reproduktionsmedizin

Familie und Elternschaft haben einen hohen Stellenwert in Deutschland: 


  • 93% aller Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wünschen sich ein Leben mit Kindern [1]. 


  • Im Alter zwischen 20 und 50 Jahren wünschen sich 75% aller kinderlosen Frauen und 78% der kinderlosen Männer ganz konkret jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben Kinder [4].


Gleichzeitig hat in Deutschland der Anteil ungewollt kinderloser Frauen und Männer in den letzten Jahren zugenommen:


  • Zwischen 2013 und 2020 ist der Anteil ungewollter Kinderlosigkeit bei Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren von 26% auf 32% und bei Männern in ebendieser Alterspanne von 24% auf 32% gestiegen [5].


  • Das liegt unter anderem daran, dass die Pläne für die Familiengründung und schwanger werden aus verschiedensten Gründen zunehmend auf einen Zeitraum nach dem 30. Lebensjahr verschoben werden [3]. Da die natürliche Fruchtbarkeit (=Fertilität) der Frau ab dem 25. Lebensjahr jedoch stetig abnimmt, nehmen vor allem altersbedingte Fertilitätseinschränkungen zu. 

 

Kurz gesagt:


Das Thema "unerfüllter Kinderwunsch" wird für immer mehr Frauen und Männer relevant und kann Herausforderungen mit sich bringen. Dadurch steigt der Bedarf an (psychosozialer) Beratung zum Umgang mit Fragen und Belastungen, die mit dem unerfüllten Kinderwunsch einhergehen. Durch die Zunahme an Möglichkeiten der Familiengründung, die sich durch die Methoden der Reproduktionsmedizin (auch umgangssprachlich künstliche Befruchtung durch IVF und ICSI* genannt) ergeben, wie z. B. Leihmutterschaft, Samenspende oder Embryonenspende, gibt es auch zunehmend Beratungsbedarf in Bezug auf die eigenen Handlungsoptionen und damit einhergehende finanzielle und rechtliche Fragen. 

Mit dem Projekt "KompKi" nehmen wir verschiedene Herausforderungen an und entwickeln Lösungsstrategien


  • In Deutschland gibt es zahlreiche Informations- und Beratungsangebote zum Thema "unerfüllter Kinderwunsch", "(In-)Fertilität" und "Familiengründung mit reproduktionsmedizinischer Assistenz". Jedoch sind diese häufig nicht ausreichend bekannt [5].


  • Neben dem geringen Bekanntheitsgrad scheinen auch Hemmschwellen der Inanspruchnahme zu bestehen. Diese Hemmschwellen beziehen sich sowohl auf die Inanspruchnahme von psychosozialen als auch medizinischen Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Aus diesem Grund fühlen sich viele Paare im Umgang mit ihren Sorgen, Ängsten und Belastungen rund um das Thema "schwanger werden" alleingelassen. 


  • Darüber hinaus bestehen in Deutschland große Forschungslücken zu Themen rund um den "unerfüllten Kinderwunsch".


  • Auch fehlen flächendeckende Fort- und Weiterbildungsangebote für alle Fachkräfte, die mit Familien sowie Frauen und Männern mit Kinderwunsch arbeiten. 


  • Ferner müssen disziplinübergreifende Netzwerke eingerichtet werden, so dass Information und Vernetzung für alle Beteiligten – Fachkräfte und Betroffene – vereinfacht wird. 


*Erklärung von Begrifflichkeiten
 

In-Vitro-Fertilisation (IVF): „Die IVF wird vor allem dann angewandt, wenn Inseminationsversuche erfolglos bleiben, ein Verschluss oder ein Fehlen der weiblichen Eileiter vorliegt, eine (leicht) eingeschränkte Zeugungsfähigkeit des Mannes oder eine immunologische Sterilität der Frau festgestellt wurden. Das Verfahren beinhaltet eine medizinisch kontrollierte Hormonstimulation der weiblichen Eierstöcke mit Entnahme reifer Eizellen sowie die Aufbereitung der männlichen Samenflüssigkeit. Die Eizelle wird zusammen mit den Spermien in einer Nährflüssigkeit im Reagenzglas bebrütet. Die Befruchtung findet dann außerhalb des Körpers (extrakorporal) als eine spontane Befruchtung statt. Nach einer erfolgreichen Verschmelzung und Zellteilung dürfen bis zu maximal drei Embryonen (§ 1 Embryonenschutzgesetz) in die Gebärmutter zurückgeführt werden.“ [2].

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): „Seit Anfang der 1990er Jahre wird die IVF durch die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ergänzt und inzwischen deutlich häufiger als die IVF angewandt. Im Rahmen der ICSI erfolgt die Behandlung ähnlich wie bei einer IVF, nur dass darüber hinaus eine ausgewählte Samenzelle mit Hilfe einer sehr feinen Nadel direkt in die Eizelle injiziert wird (und somit keine spontane Befruchtung stattfindet). Dieses Verfahren kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn eine selbstständige, spontane Befruchtung der Eizelle aufgrund einer männlichen Subfertilität, zum Beispiel bei einer eingeschränkten Beweglichkeit oder einer stark verminderten Anzahl der Samenzellen, nicht möglich ist.“ [2]. 



Quellen:

1. BiB (2019). Kinderreiche Familien in Deutschland: Auslaufmodell oder Lebensentwurf für die Zukunft?

2.  Mayer-Lewis, B. (2019). Familien nach reproduktionsmediziniscer Assistenz - Was sagen die Eltern: Ergebnisbericht zur Studie "Bedarfe von Familien nach Familiengründung mit reproduktionsmedizinischer Assistenz". ifb-Materialien, (2).

3. Trappe, H., & Köppen, K. (2021). Soziodemografische Ursachen und Folgen des Aufschubs des Erstgebäralters von Frauen. In M. S. Kupka (Ed.), Reproduktionsmedizin: Zahlen und Fakten für die Beratung (pp. 95–102). München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH.

4. Wippermann, C. (2014). Kinderlose Frauen und Männer: Ungewollte oder gewollte Kinderlosigkeit im Lebenslauf und Nutzung von Unterstützungsangeboten . Berlin.

5. Wippermann, C. (2021). Ungewollte Kinderlosigkeit 2020: Leiden – Hemmungen – Lösungen . Berlin.

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